Fake! Diskussionen - was ist noch wahr?



Immer wieder laufen Themen durch die öffentliche Diskussion, bei denen die Wahrheit nur scheinbar eine Rolle spielt. Meist geht es um die Herrschaft über bestimmte Begriffe, und sicher haben Worte eine prägende Bedeutung. ‚Fake news‘ und ‚alternative Fakten‘ zeigen, wie beliebig oft der Umgang mit Wahrheit ist. Aber diese Beispiele sind banal, die Lügen sind offensichtlich. Schwieriger wird es, wenn ursprünglich wertvolle Begriffe durch Missbrauch diskreditiert sind.


Heimat, Vaterland, Tapferkeit, Stolz, Elite sind z.B. Worte mit vielen Facetten. Darf man sie benutzen ohne (vorschnell) verurteilt zu werden? Worte wie ‚Neger‘ oder ‚Flüchtling‘ werden durch freundlichere und allgemein akzeptierte Bezeichnungen ersetzt. Doch schnell sind auch Begriffe wie ‚Farbiger‘ und ‚Migrant‘ verbrannt.


Derzeit kursiert die Debatte, ob in Art. 3 Abs. 3 unseres Grundgesetzes der Begriff ‚Rasse‘ stehen darf. Dort steht: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Dieses Diskriminierungsverbot soll um den Begriff ‚Rasse‘ gekürzt werden, da es aus wissenschaftlicher Sicht keine Rasse gibt. Wir alle sind so stark durchmischt, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse naturwissenschaftlich nicht haltbar ist; es gibt kein Gen für Rasse. Andererseits ist jedem klar, was gemeint ist und es existiert somit eine kulturelle Prägung dieses Begriffs. Wesentlich ist aber, dass eine Änderung oder Entfernung des Begriffs ‚Rasse‘ den Rassismus nicht beseitigen wird.


Besonders Menschen, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe von der weißen Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen fühlen und Erfahrungen eines ‚Alltagsrassismus‘ machen, sind oft tief verletzt und bekommen immer wieder bestätigt, dass sie anders aussehen und also anders sind als die Mehrheit. Und das wird sich so leicht nicht ändern. Schon die Frage „wo kommst Du her“ oder die Anerkennung „Du sprichst aber gut deutsch“ lässt erkennen, dass der Angesprochene anders ist und kann so zum Gegenstand der Kränkung werden. Und wir alle haben Angst ausgeschlossen zu sein, ob zu klein, zu groß, zu dick, zu dumm, aus anderen sozialen Verhältnissen, etc.. Jeder steht unter dem Stress, sich im Wettbewerb möglichst nach vorne zu arbeiten, um möglichst unangreifbar zu sein und nicht verletzt zu werden. Und ist eine sichere Position erstmal erlangt, beginnt die Angst diese zu verlieren. Und man kann sicher sein, dass der wunde Punkt der eigenen Minderwertigkeit oder des Ausgeschlossenseins regelmäßig angestoßen wird und die Verletzlichkeit so erhalten bleibt. Insofern ist jeder mehr oder weniger benachteiligt – eine Volkskrankheit.


Was hat das mit Wahrheit zu tun? Wir tun so, als könne man durch die Änderung von Begriffen beklagenswerte Realitäten wie Diskriminierung ändern. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wenn alles Mühen der korrekten Ausdrucksweise gilt, verpufft dahinter das Eigentliche: die Überwindung der Überheblichkeit und sein Herz dem zu öffnen, der anders zu sein scheint. Begegnungen mit Fremden zeigen schnell, dass die Menschen überall gleich sind und dass es keine minderwertigen Menschen gibt. Jeder ist auf seine eigene Weise eine Bereicherung.

Doch zeigen wir diesen Reichtum und ermutigen wir zur Begegnung? Lieber arbeiten wir an einem bürokratischen Konsens und stellen uns alle auf die Seite der Guten und Gerechtfertigten, als zu leben und zu lehren, wie man tatsächlich sein Herz öffnet und Ängste abbaut. Regelungen sind da einfacher und auch wenn gut gemeint oft nicht mehr als reine Alibiaktionen, die im Grunde nichts ändern, im Gegenteil: Wir fördern nur das frustrierende Formaldenken, sind darin bestärkt, das Richtige oder Gute getan zu haben und täuschen uns darüber hinweg, dass der eigentliche Tatbestand unverändert weiterbesteht.


Wie gehen wir aber in der Gesellschaft mit denen um, die sich an alle Regeln halten und mit Engelszungen eine perfekte Sprache üben, im Herzen aber womöglich Verachtung für alles Fremde tragen? Oder einfach nicht ablassen wollen vom eigenen Alleinstellungsmerkmal – dem Normal, dem Zu- und Hingehörig, dem ‘Wir ja, die anderen nein‘? Wie ist es umgekehrt mit dem, der die gesellschaftlichen Verabredungen über eine korrekte Sprache nicht kennt und mit unkorrekten Worten aber offen und unvoreingenommen auf den Fremden zugeht?


Der gesellschaftliche Maßstab der Beurteilung ist meist auf das formal korrekte Verhalten gerichtet, nicht auf die innere Haltung! Relevant ist, was gesagt wird und nicht, was gemeint ist. Dabei kann ein jeder von uns die Energie lesen, mit der eine Aussage getroffen wird. Schon an der Körperhaltung oder Bewegung können wir erkennen, ob jemand ehrlich und aufrichtig ist oder lügt. Es sollte daher unser aller Ziel sein, das Sensorium für diese Wahrheit zu verfeinern, anstatt mit immer neuen Regelungen oft die Falschen zu treffen und an einer gesellschaftlichen Ermüdung mitzuwirken, dass nichts zu ändern sei.


Nicht Teil der allgemeinen Ermüdung zu sein, d.h., sich nicht frustrieren und demotivieren zu lassen, sondern vielmehr persönlich alles zu tun, um die eigenen inneren Barrieren zu erkennen und niederzureißen, sich frei zu machen von den Bildern, Urteilen, Bedingungen, Ängsten, Nöten, Vergleichen etc etc ist jedem jederzeit möglich. Doch nicht nur das – es ist eine Notwendigkeit und Verpflichtung, wollen wir unserem eigentlichen Wesen als Mensch gerecht werden und die Gleichheit und Brüderlichkeit lebendig werden lassen, um die wir alle als Menschen der einen Menschenrasse in unserem Herzen wissen – wir sind Eine Menschheit.


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